Unsere wesensgemäße Imkerei

...Eines Spätnovemberabends 2017 bei unserem wöchentlich stattfindenden gemeinsamen Abendessen kam Sascha mit der Idee um die Ecke, sich vielleicht irgendwann einmal ein Bienenvolk zulegen zu wollen, weil er sich erinnerte das Imkern als Jugendlicher einmal gelernt zu haben.  Eigentlich war das eine kleine Spinnerei, die wirklich weit weg schien, doch Angela war sofort Feuer und Flamme für die Idee weil auch sie früher bereits geimkert hatte und der Imkervirus auch in ihr schon eine ganze Weile schlummerte, sich nun bei den beiden Bahn brach...

Gesagt getan, seit April 2018 hatten wir nun vier Bienen - Jungvölker in unserem Vorgarten stehen, die wir von einem Imker in Niedersachsen kauften, deren Königinnen bei uns von nun an mit eigenen Namen anzusprechen sind, deren da sind Königin Maya, Queen Elisabeth (Die echte Queen ist schon so alt, die hat sich ihr eigens benanntes Bienenvolk redlich verdient), Königin Chey, und Königin Juanna. Seit dem ist die Begiesterung und das Wissen um  diese kleinen und so wichtigen Wesen bei uns und den Kindern um vielfaches gestiegen. Die erste Aktivität an den Fluglöchgern nach den als Imker schwer auszuhaltenden Wintermonaten löste fast schon Jubel aus: Alle vier Völker haben den Winter überlebt, was nicht selbstredend ist.

Was heißt denn hier "wesensgemäß"?


Die klassische Imkerei hält Bienenvölker vornehmlich aus einem einzigen Grund: "Honig!" Klar, jeder Imker liebt seine Bienen auch, sonst würde er diesen riesigen Aufwand nicht betreiben können, dennoch sind die Bienenvölker hauptsächlich ein Wirtschaftsfaktor, denn das Geschäft mit dem süßen Gold ist durchaus lohnend. Leider wird hier wie in so vielen Feldern die der Mensch so beackert wenig Rücksicht auf das Lebewesen genommen und dies komplett ausgebeutet und sogar zu ertragreicheren Züchtungen geführt, sodass die ursprüngliche Honigbiene, die im Wald lebte bei uns gänzlich verdrängt wurde.  Ein klassischer Imkersatz ist:" Bienen können ohne den Menschen gar nicht überleben!" Diesen Satz hört man von jedem Imker, der einem so im Leben über den Weg läuft.

Als wesensgemäße Imkerei bezeichnet man die Haltung der Bienen um ihrer selbst Willen. Hier liegt also der Fokus nicht auf der möglichst großen Produktion von Honig und anderen Nebenerzeugnissen wie Propolis und Wachs, um diese im großen Stil abzuernten, sondern darauf die Bienen einerseits überhaupt zu erhalten und zum anderen wieder so weit wie möglich ihrer natürlichen Lebensweise zurückzuführen. Wir betrachten das Bienenvolk als ein einziges Lebewesen und das muss man soweit es geht in Ruhe lassen. Natürlich wissen wir auch nicht alles und viele Dinge  lernen wir durch hinterfragen der klassischen Tätigkeiten der Imker und eben auch durch Versuch und Irrtum und sehr viel lesen, lesen in Frage stellen und nochmal lesen.

Was machen wir denn nun so anders?

Wir wollen hier in keinster Weise die klassischen Imkerei in Verruf bringen oder anprangern. Die folgende Aufzählung ist keine Wertung als gut oder schlecht, wir zählen hier lediglich die Unterschiede zu unserem Verständnis des Bienenlebens und deren Haltung auf, um unsere Sichtweise und unser Handeln zu erklären und um unsere Bienenfreunde zu informieren.

Konventionelle Imkerei:

  • Die klassische Imkerei investiert in Bienen und hält sich damit für Anspruchsberechtigt am Ertrag der Bienen, meine Bienen = mein Honig.
  • Der Imker entnimmt jedes Jahr den kompletten Honig der Völker und lässt die Bienen auf einer vorher eingefütterten Zuckerlösung oder einem Futterteig überwintern.
  • Die Bienen bauen ihre Waben auf vom Imker eingesetzten Wachswänden mit einer vorgegebenen Wabengröße, die sich von der Naturwabe leicht unterscheidet.
  • Der Imker greift regelmäßig in das Volk ein, um Volkstärke und Schwarmtätigkeit zu kontrollieren.
  • Drohnenbrut (männliche Bienen) wird regelmäßig entfernt, weil die Drohnen (angebl.) fressen aber nicht eintragen.
  • Wenn ein Volk in Schwarmstimmung kommt, versucht er dies zu verhindern, indem er die Königinnenzellen herausschneidet oder vor dem Schwärmen einen Ableger mit einer neuen Königin bestückt.
  • Mindestens zwei Mal im Jahr behandelt der Imker seine Bienen mit eingedämpfter Ameisensäure um die Varroamilbe in Schach zu halten, tötet dabei aber auch Bienen.
  • Bei schwachen Völkern setzt er im Zweifel einfach Bienen aus einem starken Volk ein oder tauscht die Königin aus.
  • Er züchtet Bienen daraufhin, dass sie sanftmütig sind und ihn nicht stechen.

 

Unsere wesensgemäße Imkerei:

  • Wir denken, der Honig gehört den Bienen! Wir machen mit Ihnen sozusagen einen Deal. Wir kümmern uns um Schutz vor Räubern, greifen helfend ein bei Krankheiten und fördern die Entwicklung des Volkes und dafür erlauben wir uns ein wenig des Honigs zu nehmen, lassen den Tieren aber den Teil den sie selbst brauchen.
  • Wir lassen unsere Bienen auf ihrem eigenen Honig überwintern, da dies das beste Futter für sie ist.
  • Die Bienen bekommen auch Rähmchen aber wir führen langsam Stück für Stück leere Rähmchen ein, auf denen das Volk dann selbst entscheidet wie es die Waben baut.
  • Wir stören die Bienen so wenig wie nur möglich. Wir kontrollieren die Tätigkeit des Volkes am Flugloch.
  • Wir entfernen keine Drohnenbrut, solange es nicht durch einen zu hohen Milbenanteil geboten ist.
  • Bei uns dürfen die Bienen schwärmen und wir bieten ihnen neue Nistplätze in der Nähe an.
  • Wir führen keine chemischen Varroabehandlungen durch, weil wir der Ansicht sind, dass die Bienen bei geringer Störung und Überwintern auf eigenem Honig etwa so wie wir Menschen ein Immunsystem entwickeln. Und wenn es einmal nötig werden sollte, setzen wir auf einen Naturstoff aus Thymian.
  • Wir setzen niemals Bienen aus einem Volk in ein anderes, weil wir glauben, dass jedes Volk seine eigene Biochemie hat und Fremdbienen in Massen einfach schädlich für den Rhythmus des Volkes sind.
  • Bienen brauchen eine gesunde Aggressivität um sich verteidigen zu können, Statistiken zeigen, dass diese Aggressivität auch mit der Anfälligkeit für Krankheiten zusammenhängt.

Bienen als pädagogisches Konzept  ->weiterlesen